Insolvenztourismus nach dem wirtschaftlichen Tod!
Das Bundesjustizministerium will in September einen Entwurf für ein neues Insolvenzrecht vorlegen. Dieses beinhaltet u.a. folgende Punkte:
- Das Entschuldungsverfahren soll 8 und nicht mehr 6 Jahre dauern
- Die Gerichtsgebühren sollen vorab bezahlt werden
- Der Zwangsvollstreckungsschutz dauert 3 Monate
Circa 8 Prozent aller Haushalte Deutschlands gelten als insolvent. Täglich fallen private Unternehmer in dieser Sparte. Der Rückstau der Leute, die Insolvenz nicht anmelden können, da sie bei den staatlichen Schuldnerstellen keinen Termin aufgrund der Wartezeiten von bis zu 18 Monaten bekommen, ist enorm. Und nun soll selbst der wirtschaftliche Tod unbezahlbar werden.
Während in anderen Ländern die Entschuldungszeiten verkürzt werden, so beispielsweise Frankreich, in dem eine Insolvenz bis zu 18 Monaten dauert, oder England, die vor kurzem die Entschuldungszeit auf 1 Jahr reduziert hat, will Deutschland die Entschuldungszeit auf 8 Jahre verlängern. Damit boomt eine neue Branche – Insolvenztourismus!!!!! Mit dem üblichen Stigma können wir natürlich dieses so bewerten, dass die Schuldner sich ihrer Pflichten entziehen. Oder wir können verstehen, dass ein Mensch dem Staat nicht zu Last fallen will, sondern weiterarbeiten und auch überleben, was zu allerletzt auch im Sinne der Gläubiger ist. Nach einer Studie des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn verdienen Restarter, d.h. Gründer nach einer erlebten Insolvenz, mit ihren neuen Unternehmen und Selbständigkeiten 11 – 18 % mehr als Erstgründer! Nur schade, dass die meisten dieser Neustarts im Ausland stattfinden werden, weil man in Deutschland es übersehen hat, einen internationalen Vergleich der Handhabungen stattfinden zu lassen. Somit gehen uns die Gewinne der Neuunternehmen und deren arbeitsplatzschaffenden Maßnahmen alle verloren. Nicht genug – die Existenzgründungen in Deutschland werden natürlich auch parallel zurückgehen, da die innovativen Menschen vor Angst vor den möglichen Folgen eines Scheiterns gar nicht erst hier gründen wollen. Es lebe Walt Disney, der mit seinem Restart Mickey Maus zum Welterfolg machte und Bill Gates, der sagte: „Es ist in Ordnung, den Erfolg zu feiern, aber es ist viel wichtiger, auf die Lektionen des Scheiterns zu hören. Und es lebe der innovative Unternehmer, der trotz allen Widrigkeiten Arbeitsplätze durch Innovation schafft! Nur hoffen wir, dass diese Änderungen nicht dazu führen werden, dass er seine wirtschaftliche Heimat in anderen Ländern suchen wird, in dem das Bild des Unternehmers bei weitem viel besser ist und in dem man zum Leichenkeller des Unternehmertums nicht durch das Scheitern gehören muss, sondern bei einer nicht kriminellen Insolvenz eine zweite Chance bekommt, die leider derzeit in Deutschland nicht abzusehen ist.
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